Synovia

Hallo DU,

ja du bist gemeint. Du kennst mich nicht? ….und das, wo wir schon so lange zusammen sind? Mein Name ist Synovia. Wir kennen uns schon ein Leben lang. Genau genommen, seit du im Bauch deiner Mutter heran gewachsen bist. Ich befinde mich in deinem rechten Knie, aber auch in deinem Linken. Und mal ganz ehrlich? Meine weitläufige Verwandtschaft federt dich pflichtbewusst ab, in allen Gelenken deines Körpers.

Ich erinnere mich noch genau, dass du als Kind auf mir und meiner Verwandtschaft lustig und auch fröhlich herum gehüpft bist. Wir fanden das gut, weil wir nämlich nicht, wie die meisten anderen Gewebe, an deinem Blutkreislauf angebunden sind. Deine regelmäßigen Bewegungen pressten uns wie ein Schwamm zusammen und versorgten uns mit nahrungsreicher Gelenkflüssigkeit. Wir sind total abhängig von deiner Bewegungsfreude.

Na ja, wenn ich ehrlich bin, dann hast du es als Teenager schon ein wenig übertrieben. Ich erinnere mich an eine Sportverletzung, die gut 40, oder waren es sogar 50 Jahre, her ist und die hat Spuren hinterlassen. Du warst es gewohnt, immer Vollgas zu geben. Was ist da schon eine „Schramme“? Aber du wusstest nicht, das wir nicht wie unsere Nachbarn, ich meine die Knochen, neue Zellen bilden können und wieder zusammenwachsen. Wir können uns nämlich, im Gegensatz zu vielen anderen Körperzellen, nicht teilen.

Die folgenden Jahre mit dir, genau genommen waren es Jahrzehnte, sind wirklich hart und strapazierend für mich und meine Familie gewesen. Du hast zu viel Zeit im Auto und danach auf dem Bürostuhl verbracht. Die übrige Zeit hast du dann auch noch bequem im Sessel, vor dem Fernseher gesessen. Du hast offensichtlich vergessen, dass ohne Bewegung für uns kaum eine Versorgung existiert. Der Druck stieg dabei ständig. Hinzu kommt, das jedes Jahr mehr Gewicht an deinen Hüften hängen blieb. Und als wenn das noch nicht genug wäre, sabotierten aufgefüllte Fettzellen auch noch aktiv unsere Arbeit. Völlig überraschend wurden gelegentlich Aktivitätsschübe eingelegt, die unsere Hungerjahre unterbrachen. Erinnerst du dich noch an deinen zweiwöchigen Skiurlaub? Eigentlich hätten uns da deine Muskeln unterstützen sollen. Aber die waren damals gar nicht darauf vorbereitet und konnten uns aus diesem Grund auch nicht unterstützen. Eine gesunde Gelenkfunktion hätte uns geholfen, so aber mussten wir die spontane Härte alleine abfedern. Der Teufelskreis schloss sich dann in der Mitte deines Lebens. Einem genetischen Programm folgend, verabschiedeten sich zu der Zeit einige Familienmitglieder – die unseren Abbau auch noch begünstigten.

Warum ich dir das jetzt schreibe?

Wir begleiteten dich dein Leben lang. Es ist Zeit uns zu pflegen. Vergiss nicht, wir waren immer da und haben jeden Spaß mitgemacht. Vom Seilspringen über den Rock’n‘ Roll, vom Bergwandern bis zum Erklettern des nächst hohen Turmes. Lass uns jetzt nicht vor Hunger sterben. Mit den richtigen Nährstoffen und mit regelmäßiger Bewegung, kannst du uns unterstützen. Ganz besonders freuen wir uns, wenn du auch noch etwas Ballast abwirfst und einige der zerstörerischen Fettzellen vernichtest. Als Dankeschön tun wir was wir können, um dir deinen federnden Gang zu erhalten.

Deine Synovia

 

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