Warum MLM – Schneeball- und Pyramidensysteme sich gleichen und dennoch verschieden sind

In den letzten Tagen wurde ich von verschiedenen Seiten angesprochen, was mich veranlasst hätte, Vertriebsaufbau für eine Organisation zu betreiben, die doch nur nach Schneeballsystem arbeite. Ich frage mich allerdings manchmal, wie man nur solch ein Bullshit von sich geben kann? Dennoch, ich mache hier mal meine Ansicht allgemein zugänglich.

Multi-Level-Marketing ( MLM )

Sämtliche Vertriebe sind ähnlich strukturiert. So gibt es die Reihe der Verkäufer, ihnen übergeordnet ist ein Abteilungs-/Ladenleiter. Diese wiederum sind einem Bezirksleiter untergeordnet und die dann einem Bezirksdirektor (so jedenfalls werden die in der Versicherungsbranche genannt). Diese Herren Bezirksdirektoren, um mal bei dieser Bezeichnung zu bleiben, ordnen sich dann einem Landesdirektor unter, die dann z.B. dem Vorstand unterstehen. Da mag es in den diversen Branchen unterschiedliche Bezeichnungen geben, aber sowohl bei Mc. Donald als auch beim Autobauer VW sind die Strukturen im Vertriebsbereich ähnlich. Zugegeben, bei einigen Unternehmen ist die Stufe vom Vertrieb bis zum Vorstand kleiner, bei Anderen durchaus länger. Aber jeder ist am Umsatz immer irgendwie finanziell beteiligt.

Für mich war in meiner Entscheidung wichtig, dass mein Unternehmen, für das ich zukünftig tätig werde, ihren Focus auf Qualität ihrer Produkte legt und nicht auf den Aufbau einer mehrstufigen Downline. Natürlich ist der Aufbau eines eigenen Unterbaus (Multi-Level eben) mein eigenes Interesse, schon aus finanziellen Gesichtspunkten, aber meinem Anbieter ist der Umsatz wichtig und nicht die Strukturgröße. Hinzu kommt in einer Bewertung neben dem Marketing die Vision, die Philosophie und die Mission des Unternehmens.

In der Auswahl stand auch ein Unternehmen mit einem Binärsystem. Dies System ist seit einigen Jahren am Markt in Erscheinung getreten. Die Bedeutung ist, es werden lediglich zwei Partner in der eigenen Linie angebaut und weitere dann in der Linie unter einem der Beiden. Zumindest meine Erfahrung zeigte, das bei dem Binärsystem Karteileichen keine Seltenheit sind. In der Struktur ist auch der Teufelskreis der Demotivation sehr oft anzutreffen. Manche Unternehmen machen zusätzlich die Vergütung vom Umsatz beider Linien abhängig. Da hilft es wenig, wenn eine Linie Millionenumsätze generiert, die Zweitlinie aber nicht.

Die Philosophie des Unternehmens, welches ich mich angeschlossen habe, ist die, dass vorrangig nur aus bestehenden Kunden gesponsort wird. Ein Empfehlungsmarketing wird im Kundenkreis und der Unternehmensphilosophie groß geschrieben. Das heißt natürlich nicht, dass Vertriebsprofis aus Mitbewerberreihen bei mir keine Chance hätten. Da dies aber i.d.R. ein Gespräch vertrauensvoll unter vier Augen ist, möchte ich das hier nicht weiter ausführen. Ich denke jeder weiß was ich damit sagen möchte.

Im Internet bewegen sich leider auch viele Deppen, die dann der Meinung sind, MLM mit folgenden Buchtiteln zu begleiten Entdecken Sie den geheimen Plan, mit dem ein 26-jähriger kanadischer Networker eine Downline von 25.347 Personen aufbaute“. Klingt durchaus interessant, aber wir wollen mal die Kirche im Dorf lassen. Im Übrigen werde ich immer dann skeptisch, wenn in einer Veröffentlichung von „Geheimplänen“ gesprochen wird. Dennoch, im Multi-Level-Marketing-Markt finden sich alle Schichten unserer Gesellschaft wieder. Vom Arbeiter, Angestellten oder Beamten bis hin zum geplagten Unternehmer, Anwalt, Arzt, Heilpraktiker, dem Versicherungsprofi und der Mutter bzw. Hausfrau finden sich alle wieder, die das Potential dieser Geschäftsidee erkannt haben. Und mal Hand aufs Herz, das Potential ist noch bei weitem nicht ausgeschöpft.

 

Schneeballsysteme

Ein Wort, dass häufig als Abwertend empfunden wird oder gelegentlich sogar abwertend gemeint war. Gelegentlich fragt man sich, wie kann man nur einen solchen Bullshit von sich geben. Aber beides trifft zu. Wer ein MLM-System gleich abwertend als Schneebalsystem bezeichnet vergisst, dass die gesamte Menschheit genau aus diesem System besteht. Wer hier polemisiert sollte so fair sein, keine Wirtschaftsprodukte mehr zu kaufen. Auch dort existiert ein Vergütungssystem, was der böswillige Protagonist als Schneeballsystem bezeichnen könnte. Der Einwand, bei z.B. Mc. Donalds und Anderen handelt es sich ja letztlich um ein Franchisesystem, der muss sich gefallen lassen, dass auch dort eine Vergütungsstruktur bis in die obersten Chefetagen besteht.

Negativ und letztendlich betrügerisch ist allerdings ein Schneeballsystem im Bereich der Kapitalanlagen. Insbesondere dann, wenn Altanleger/Investoren mit den Einzahlungen neuer Anleger/Investoren ausgezahlt werden. Solange immer neue Kunden kommen, die dann neues Geld einzahlen, mag das kaum auffallen. Der Exitus, und damit der Verlust des eingezahlten Geldes, ist allerdings vorprogrammiert. Dies kommt schon einem Pyramidensystem gleich.

Fassen wir einmal zusammen:
Laut Wikipedia liegt ein Schneeballsystem dann vor, wenn neue Teilnehmer in dem System mitwirken müssen, eigenes Kapital einbringen und nur beim Einbringen neuer Mitglieder ins Geld verdienen kommen. Multi-Level-Marketing ( MLM ) ist mit dem klassischen Schneeballsystem daher nicht vergleichbar.

 

Pyramidensystem

Im ersten Moment mag das Bild hier wie eine Erklärung zum Multi-Level-Marketing aussehen. Ist es aber nicht.

Es gibt vier Ebenen der Pyramide. Die letzte, also die vierte Ebene besteht aus acht Mitspielern. Diese Acht zahlen ihren Einstiegsbetrag an jeweils die erste Person. Hat die erste Person von allen Mitspielern der vierten Stufe den sog. Einstiegsbetrag erhalten, bilden das linke und das rechte Bein jeweils eine neue Pyramide. Ziel ist es, dass jede dieser beiden neuen Pyramiden wieder jeweils acht neue Mitspieler in der vierten Ebene anbauen. Ist das gelungen, beginnt das Bilden weiterer Pyramiden wieder auf neue.

Im Allgemeinen haben diese Pyramiden kein Produkt was sie vertreiben. Es geht ausschließlich darum, dass die erste Person ganz oben im ersten Glied Geld erhält. Geschickte Protagonisten dieser Pyramiden haben dann auch schlauerweise Konstrukte erfunden, die als Alibi ein Produkt vertreiben, das bei genauem Hingucken kaum jemand benötigt. Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb stuft diese Pyramiden (ob mit Alibiprodukt oder ohne) seit längerer Zeit auch als sittenwidrig ein.

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Über Heinrich Schreiber 2 Artikel
Als inzwischen „Best Ager" ist die berufliche Vita von Heinrich schon etwas umfangreicher. Gelernter Photokaufmann, Werkzeugschleifer, Akkordarbeiter und Wirtschaftsberater. In seiner Tätigkeit als eBook- und Indieautor schreibt Heinrich über den Kampf gegen Ausbeutung, Unterdrückung und antifaschistischem Widerstand. Bereits 1967 machte Heinrich erstmals Bekanntschaft mit Polizeigewalt und Gummiknüppeln, als er mit Gleichgesinnten eingekesselt und brutal niedergeschlagen wurde. Das politisierte nachhaltig bis Heute. Als leidenschaftlicher Hamburger fühlt er sich überall auf diesem Erdball wohl und bezeichnet sich als Weltbürger.

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